Familienleben in der Corona-Krise

 

Erziehungs- und Familienberatung gibt Ratschläge

Manuela Hempel, Diplom Psychologin im Diakonieverein e.V. Bitterfeld-Wolfen-Gräfenhainichen, arbeitet als Beraterin in der Erziehungs- und Familienberatungsstelle. Im folgenden Interview erklärt sie, warum Familien gerade in dieser Zeit vor großen Herausforderungen stehen.

Interview:

Was löst eine Situation wie die aktuelle Corona-Krise in Menschen aus?
Frau Hempel: „Vorweg erstmal die gute Nachricht: Wir Menschen haben Ressourcen, d. h. es ist uns möglich auch in schwierigen Zeiten und unter Stress die Nerven zu behalten und unser Leben zu meistern. Es ist in einer solchen Situation aber auch natürlich und menschlich, Angst oder Unsicherheit zu spüren. Um die Angst zu reduzieren ist es wichtig, sich Informationen aus verlässlichen Quellen zu holen und sich vor Panikmache zu schützen. Man sollte sich nicht den ganzen Tag mit Corona beschäftigen, das verunsichert nur noch mehr. Eine Freundin anrufen, einen Spaziergang machen oder etwas in der Wohnung erledigen, was man schon lange tun wollte… Möglichkeiten der Ablenkung gibt es viele. Und wenn die Sorgen zu groß werden, haben Sie die Möglichkeit unsere telefonische Beratung zu nutzen.“

Wie erklärt man kleinen Kindern die aktuelle Situation?
Frau Hempel: „Kinder orientieren sich immer an ihren Vorbildern. Wenn wir in Panik verfallen, haben auch die Kinder Angst. Behalten wir einen kühlen Kopf, beantworten Fragen altersgerecht und vermitteln den Kindern Sicherheit, dann werden sie die Zeit gut überstehen. Wenn man die Krankheit selbst nicht gut erklären kann, hält das Internet kindgerechte Erklärungen bereit z. B. auf www.wdrmaus.de oder bei ZDFtivi in der Kindernachrichtensendung logo.“

Wie beschäftigt man Kinder tagein, tagaus zu Hause auf engstem Raum?
Frau Hempel: „Hier braucht es Kreativität und gute Nerven. Wichtig ist, dass man sich als Familie eine Tagesstruktur oder Routine schafft, sozusagen einen Tages- und Wochenplan. Routinen geben Kindern und auch Erwachsenen einen Rhythmus vor und somit die Sicherheit zu wissen, was als nächstes kommt. Einfach nur in den Tag hinein zu leben, kann für alle schnell anstrengend werden. Strukturgebend sind vor allem Mahlzeiten, Hausaufgaben, aber auch feste Zeiten fürs Fernsehen, für die Beschäftigung allein oder für einen Spaziergang im Freien. In unserem Elternbrief findet sich noch die ein oder andere Anregung zum Zeitvertreib.“

Und wenn wir als Eltern doch mal drohen auszurasten...
Frau Hempel: „Fast allen Eltern passiert es, dass sie mal laut werden. Das ist ein Stück weit normal, solange wir das schnell wieder im Griff haben und es nur selten vorkommt. Man sollte dann erstmal auf Abstand gehen, den Raum verlassen und durchatmen, jeder bekommt eine kurze Auszeit und beruhigt sich. Später sollte der Erwachsene auf das Kind zugehen und ihm erklären, wie es zu der Situation kam und sich auch entschuldigen. Das fördert das respektvolle Miteinander.“

Hier gehts zum Elternbrief mit vielen Ratschlägen und Basteltipps

Telefonische Beratung finden Sie hier

Ihr Team der Erziehungs- und Familienberatung


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